Gefahr aus dem Stall

Sendehinweis ZDF Sonntag 16.10.2011 13:25 – 13:55

Zum Video gelangt man auf der Seite http://planet-e.zdf.de

„Sofort isolieren, Nasenabstrich für die übrigen Zimmerinsassen, Information an die Verwandtschaft und Labordiagnostik bei den Besuchern der letzten Tage.“ Für Prof. Matthias Augustin vom Hamburger Universitätsklinikum sind derlei Schutzmaßnahmen inzwischen Routine. Der Spezialist für Wundinfektionen hat sich auf seinen aktuellen Gegner im Kampf um die Gesundheit der Patienten eingestellt: MRSA – die Abkürzung für einen Krankheitserreger, der resistent gegen Antibiotika ist. Inzwischen erkranken jährlich mehrere tausend Deutsche an dem Erreger, und die Tendenz ist steigend. Etliche Todesfälle sind bereits nachgewiesen, viele von ihnen hätten möglicherweise verhindert werden können.
„Derartige Keime gab es schon immer, aber noch nie waren sie so zahlreich und in derartig vielen Untergruppen im Umlauf wie jetzt“, sorgt sich Augustin. Die Frage, woher MRSA eigentlich kommt, scheint geklärt. Ein Expertengremium der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit kommt zu dem Schluss, dass Massentierhaltung für die Entstehung und Verbreitung von antibiotikaresistenten Keimen verantwortlich ist. In Schweine- und Hühnermastställen werden die Tiere regelmäßig mit Antibiotika behandelt. Mutationen der Keime bilden Resistenzen. Berührt der Bauer seine Tiere, gelangen über diesen Haut-/Fellkontakt die extrem widerstandsfähigen Erreger in die Umwelt. Die Folge: Immer öfter kommt es vor, dass Antibiotika bei der Behandlung erkrankter Menschen keine Wirkung mehr haben – eine tödliche Gefahr.

„Wir arbeiten hier nach bester landwirtschaftlicher Praxis. Und ich kann nicht feststellen, dass wir hier öfter krank sind als die Menschen anderswo.“ Günter Jung wird sauer, wenn er auf das Problem mit den Keimen angesprochen wird. Der Landwirt möchte eine Geflügelmast kombiniert mit einer Biogasanlage im hessischen Bellnhausen errichten. Er kämpft jetzt gegen Bürgerinitiativen und ratlose Kommunalpolitiker um die Genehmigung. „Die Mastanlage soll die Zukunft meiner Familie sichern. Wir halten uns an alle Vorschriften. Was sollen wir denn noch tun?“ Junge ist 43 Jahre alt. Er muss vier Kinder und seine Eltern von den Erträgen des Hofes ernähren. Und Junge ist einer von zahlreichen Bauern, die ihre Zukunft in der Geflügelmast sehen.

Die Politik steckt im Dilemma. Sie will den Landwirten in ihrem Existenzkampf helfen und fördert dabei aber zweifelhafte Großanlagen. Schnelle Schweinemast, Doping für Geflügel und überdurchschnittliche Erträge auf den Feldern: Das ist nur möglich durch eine seit Jahren praktizierte Turbolandwirtschaft.

„planet e.“ zeigt, welche Folgen der gedankenlose Umgang mit Gülle, Pestiziden und Antibiotika für uns alle hat und wie die sich immer mehr Verbraucher dagegen wehren.

Film von Torsten Mehltretter

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Eine Antwort auf Gefahr aus dem Stall

  1. Dieke Bobbink sagt:

    Zum Nachschauen in der ZDFmediathek: Gefahr aus dem Stall